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To-Do-Liste beim Todesfall

Erbrecht (Rechtstipps)

Rechtsgebiet: Erbrecht
Autor: Vollmer
Datum: 2015/01

To-Do-Liste beim Todesfall:

Sehr verehrte Damen,

sehr geehrte Herren,

 

aus unserer täglichen Praxis wissen wir, dass viele unserer Mandanten im Trauerfall durch den Verlust eines nahestehenden, geliebten Menschen häufig nur schwer in der Lage sind, die gleichwohl einzuleitenden Maßnahmen zu erbringen.

 

Sehr oft steht ein geeignetes Beerdigungsinstitut zur Unterstützung zur Verfügung, gleichwohl sollte jeder Betroffene in der Lage sein, die erforderlichen Maßnahmen unmittelbar selbst zu veranlassen, zumindest aber zu kontrollieren, ob die vom Beerdigungsinstitut eingeleiteten Schritte ausreichend sind.

 

Dies zu erleichtern und insbesondere den Angehörigen die Abwicklung zu vereinfachen, die leider in einer solchen Situation erforderlich ist, ist Sinn und Zweck des Leitfadens „To-Do-Liste beim Todesfall“.

 

Folgende Dinge sind erforderlich:

 

 1.      

Falls der Tod Zuhause eintritt, ist umgehend ein Arzt zu verständigen, der den Tod feststellt und den Totenschein ausstellt.

 

Zur Anzeige des Todes eines Menschen gegenüber dem Standesamt ist jeder verpflichtet, der mit dem Verstorbenen in häuslicher Gemeinschaft gelebt hat, darüber hinaus die Person, in deren Wohnung sich der Sterbefall ereignet hat, aber auch jede andere Person, die bei dem Tod zugegen war oder vom Sterbefall aus eigenem Wissen unterrichtet ist, sowie die Träger von Krankenhäusern und Altenpflegeheimen oder sonstigen Einrichtungen, in denen der Todesfall eintritt.

 

Die Leichenschau nimmt ein Arzt vor, der die Todesbescheinigung und einen Leichenschauschein ausstellt, was vertraulicher Teil der Todesbescheinigung ist.

 

Die dafür dem Arzt zustehende Vergütung wird in der Regel von den Krankenkassen getragen.

 

 2.      

Zugleich sollten engste Familienmitglieder und Angehörige benachrichtigt werden. Dafür macht es Sinn, wenn deren Namen, Anschriften, Festnetz- oder Mobilnummern zusammengetragen und stets aktualisiert bleiben.

 

 3.      

Die Unterlagen des Verstorbenen, wie dessen Ausweise, Führerschein, Geburts- und Heiratsurkunden sollten zusammengesucht werden.

 

 4.      

Dies gilt gleichermaßen für letztwillige Verfügungen, Erbverträge, Testamente, Bestattungsverfügungen und Ähnliches. Bitte beachten Sie, dass letztwillige Verfügungen wie Erbvertrag oder Testamente unverzüglich im Original beim zuständigen Nachlassgericht (Wohnsitzgerichts des Verstorbenen) abzuliefern sind.

 

 5.      

Falls der Verstorbene nicht bereits einen Vertrag mit einem Bestattungsinstitut abgeschlossen hat, sollten Sie einen geeigneten Bestatter auswählen und benachrichtigen und in einem Bestattungsvertrag ausdrücklich und präzise klären, welche Leistungen der Bestatter erbringen soll. In diesem Zusammenhang müssen Sie die Art der Bestattung entscheiden, falls der Verstorbene hierzu nicht bereits Wünsche in einer Bestattungsverfügung geäußert oder dies in einem bereits abgeschlossenen Vertrag mit einem Bestattungsinstitut festgelegt hat. Treffen Sie nun die Auswahl für Sarg, Urne, Totenbekleidung und Ähnliches. Gleichermaßen sollte mit dem Bestattungsinstitut die umgehende Abholung des Leichnams und dessen Überführung geklärt werden.

 

 6.      

Den Todesfall müssen sie nun – gegebenenfalls über das Bestattungsinstitut – dem zuständigen Standesamt melden und Sterbeurkunden ausstellen lassen. Sollte klerikaler Beistand gewünscht werden, benachrichtigen Sie das zuständige Pfarramt / die zuständige Glaubensgemeinschaft.

 

 7.      

Ebenso sollten Sie umgehend eventuell bestehende Versicherungen, namentlich die Krankenversicherung, Lebens- bzw. Unfallversicherungen informieren.

 

 8.      

Ebenso sind Informationen an einen eventuellen Arbeitgeber, eine Dienststelle oder Rentenversicherung oder die gleichgestellte Gehaltszahlungsstelle erforderlich.

 

 9.      

Wenn der Erblasser dies gewünscht hat, kann eine Todesanzeige aufgegeben oder an Freunde, Bekannte und Verwandte versandt werden.

 

 10.    

In Zusammenarbeit mit dem Bestattungsinstitut sollte die Art der Bestattung, Art der Grabstelle, eventuelle Grabnutzungsrechte, deren Erwerb oder Verlängerung geregelt werden.

 

 11.    

Der Termin für die Bestattung ist über das Bestattungsinstitut mit der Friedhofsverwaltung abzuklären, gleiches gilt für Termine bei Feuerbestattung mit dem Krematorium oder bei einer Seebestattung mit dem zuständigen Unternehmen.

 

 12.    

Sollte eine Trauerrede gewünscht sein, wäre dies mit dem zuständigen Geistlichen oder einem weltlichen Trauerredner vereinbart werden, ebenso die weitere Organisation der Trauerfeier, wie musikalische Untermalung, Grabschmuck oder Ähnliches bestellt werden.

 

 13.    

Wenn dies gewünscht ist, kann auch die Vereinbarung und Reservierung geeigneter Räumlichkeiten für eine anschließende Trauerfeier mit Gästen zum Kaffee oder Ähnlichem vereinbart werden.

 

 14.    

Nach diesen Schritten sind weitere Formalia notwendig, dazu gehört beispielsweise das Kündigen eines Mietvertrages, Abmelden von Kraftfahrzeugen, Kündigen von Kommunikationsverträgen (Telefon, Internets), Kündigen von Versicherungen, sowie eventuell Bearbeitung des „digitalen Nachlasses“, namentlich Auflösung von Konten in sozialen Netzwerken, Kündigung von E-Mail-Verträgen oder Ähnliches. Dafür sollte der Erblasser – wenn er nicht schon zu Lebzeiten dafür selbst hat Sorge tragen können – auch die von ihm verwendeten Passwörter hinterlegt haben.

 

 15.    

Die Organisation der Grabpflege oder Grabstätte kann in Abstimmung mit der Friedhofsgärtnerei erfolgen, dort sind in aller Regel die Gärtner in Genossenschaft verbunden. Allerdings sollte darauf geachtet werden, dass die Grabpflegeverträge nicht zu langfristig abgeschlossen werden.

 

 16.    

Ob gegebenenfalls die Beantragung eines Erbscheins erforderlich ist, ist Frage des Einzelfalls. Hiervon sollte nicht voreilig Gebrauch gemacht werden, da die Beantragung eines Erbscheins eine konkludente Annahme der Erbschaft darstellt, mithin eine eventuelle Ausschlagung nicht mehr möglich ist. Das bloße Erledigen der Bestattung und das sich Kümmern um die vorgeschriebenen Maßnahmen stellt noch keine konkludente, also schlüssige Annahme der Erbschaft dar.

 

Die Bestattungspflicht trifft im Übrigen nicht nur den Erben, sondern grundsätzlich nach den landesgesetzlichen Bestimmungen alle Personen, die gegebenenfalls hierfür verantwortlich sein können, dies sind Ehegatten oder Lebenspartner, Kinder, Eltern, sonstige Sorgeberechtigte, aber auch Geschwister, Großeltern und Enkelkinder.

 

Die entstandenen Bestattungskosten tragen die Erben, die nicht mit den Totenfürsorgeberechtigten übereinstimmen müssen.

 

Notfalls, wenn keine ausreichenden Mittel vorhanden sind, sind die Kosten einer Bestattung vom Sozialhilfeträger gemäß § 74 I SGB XII zu übernehmen.

 

Wir hoffen, dass Ihnen dieser Leitfaden in einer so schwierigen Situation behilflich ist.

 

Zögern Sie nicht, uns bei Fragen anzusprechen, wir unterstützen Sie selbstverständlich gerne.

 

 

Peter W. Vollmer 
Rechtsanwalt 
Fachanwalt für Erbrecht  

Kanzlei Vollmer, Bock, Windisch, Renz & Lymperidis